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«Die Traumdoktoren sind ein unverzichtbares Mosaiksteinchen in dem, was ein Kinderspital ausmacht.»

 

Er hat massgeblich zur Etablierung der Stiftung Theodora in den Deutschschweizer Spitälern beigetragen. In diesem Jahr wurde er pensioniert. Im Interview schaut Prof. Dr. med. Christoph Rudin, ehemaliger Leitender Arzt Nephrologie und Pädiatrie am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), auf eine erfolgreiche 25-jährige Zusammenarbeit zurück.

Herr Rudin, wie kam es zum ersten Besuch eines Theodora-Traumdoktors im UKBB?

Vor 27 Jahren sah ich im Schweizer Fernsehen eine Dokumentation über die Besuche eines Traumdoktors in der Kinderklinik in Lausanne am CHUV. Dieser Beitrag beeindruckte mich zutiefst. Mir war sogleich klar, dass wir solche Besuche auch bei uns im Kinderspital Basel realisieren sollten. Dies habe ich unserer ärztlichen Direktion und Pflegedienstleitung vorgeschlagen und anschliessend mit der Stiftung Theodora Kontakt aufgenommen. Es folgte ein erster Besuch eines Theodora-Traumdoktors am Kinderspital Basel auf einer unserer allgemeinen Abteilungen. Die Reaktionen auf diesen Besuch waren sehr unterschiedlich. Schliesslich überwog die Befürchtung, dass die ärztliche Tätigkeit durch solche Besuche ins Lächerliche gezogen würde, und weitere Besuche wurden vorerst nicht in Betracht gezogen.

Hat sich mit Enthusiasmus und Leidenschaft für die Traumdoktor-Besuche eingesetzt: Dr. Rudin.

Zwei Jahre später hat sich André Poulie wieder bei Ihnen gemeldet, ein zweiter Probebesuch durfte stattfinden. Können Sie sich noch daran erinnern?

Ja, sehr gut sogar. Natürlich wollten wir diesmal unbedingt Erfolg haben und mit unserer Absicht nicht noch einmal scheitern. Wir haben den Traumdoktor der Stiftung Theodora, Doktor Distinow, bei diesem Besuch nicht nur auf die allgemeine Abteilung begleitet, sondern danach auch noch auf unsere Rehabilitations-Abteilung, wo sich ausschliesslich Kinder und Jugendliche mit schwersten Behinderungen befanden. Was dort passierte, war unglaublich beeindruckend. Die Art und Weise, wie diese Kinder auf den Besuch von Doktor Distinow reagiert haben, hat insbesondere die auf dieser Abteilung tätigen Pflegenden in einem solchen Mass fasziniert und begeistert, dass allen sofort klar war, dass das Spital auf solche Besuche in Zukunft nicht mehr verzichten wollte. Dies war der Beginn einer inzwischen 25-jährigen fruchtbaren Zusammenarbeit des Kinderspitals Basel und später UKBBs mit der Stiftung Theodora.

Erinnerungen von Dr. Distinow 💭🎈

«Wenn ich an die erste Zeit im Kinderspital Basel denke, kommt mir – neben den strahlenden Kinderaugen – vor allem die intensive Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal in den Sinn. Alle waren stets äusserst unterstützend und wohlwollend. An eine Frau kann ich mich besonders erinnern: Sie hiess Elisabeth von Däniken und war ein Traumdoktor-Fan der ersten Stunde. Elisabeth begleitete mich jedes einzelne Mal auf meinen Besuchen, brachte Ballone mit und zusammen bescherten wir den Kindern möglichst viel heitere Abwechslung.»

Christian Gerber, ehemaliger Dr. Distonow

Früher im UKBB: Dr. Pilül zeichnet den Traum eines kleinen Patienten (links) und Dr. Distinow sorgt für Abwechslung (rechts).

Wie ging es weiter?

Im Gegensatz zum allerersten Besuch vor 27 Jahren war der Wert der Traumdoktor-Besuche später stets unbestritten. Sehr rasch wurden die Traumdoktoren zu einem unverzichtbaren Mosaiksteinchen in dem, was ein Kinderspital ausmacht – einem Ort, an welchem sich die Kinder und Eltern trotz Krankheit wohl und geborgen fühlen.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Ich sehe darin in erster Linie den Verdienst der Stiftung Theodora selber, die solche Besuche ermöglicht, das grossartige Konzept solcher Besuche und natürlich die Qualität der Traumdoktoren, die von der Stiftung offensichtlich sehr sorgfältig ausgewählt werden. Und geschafft haben diesen Erfolg letztlich auch die Kinder, die diese Besuche lieben und zum Teil sogar ihre Termine so legen, dass sie den Besuch des Traumdoktors auf keinen Fall verpassen.

Wie erleben Sie persönlich das Wirken der Traumdoktoren im Spital?

Als grosse und inzwischen unverzichtbare Bereicherung. Und ich denke mir, dass es vielen Mitarbeitenden so geht wie mir. Ich habe mich stets gefreut, wenn ich den Traumdoktoren begegnet bin. Sie schaffen mit ihrer Präsenz eine andere, gelöstere Atmosphäre. Sie bereiten Freude, vor allem bei den Kindern und ihren Eltern, aber auch beim Personal ist auf manchem Gesicht ein Lächeln sichtbar, das sonst fehlt. Wann immer ich sie in unserem Spital angetroffen habe, habe ich kurz innegehalten, um ihr Wirken und vor allem die glänzenden Augen der Kinder zu beobachten. Die Traumdoktoren sind für mich zu Freunden geworden – in einem Alltag, der nicht immer einfach war.

«Die Traumdoktoren sind für mich zu Freunden geworden – in einem Alltag, der nicht immer einfach war.»
— Prof. Dr. med. Rudin, ehemaliger Leitender Arzt am UKBB

Welche Rolle spielt für Sie der Humor im Spital?

In meiner ärztlichen Tätigkeit spielte für mich der sogenannte Placebo-Effekt eine grosse Rolle. In der Langzeitbetreuung chronisch-kranker Patienten soll nicht seine Krankheit sondern zwingend das Kind selbst im Zentrum stehen – inklusive seinem Alltag, der Schule, seinen Hobbies und seinen anderen Sorgen. Und schon allein das Interesse am Leben der Kinder und eine entsprechende Frage zaubert oft ein Lächeln auf das Kindergesicht. Humor und Lachen sind dabei eine hochwirksame ‘Medizin’.

Hat sich die Zusammenarbeit mit den Traumdoktoren im Laufe der Zeit verändert?

25 Jahre sind eine lange Zeit. Ja, ich denke, die Professionalität der Traumdoktoren hat in diesen Jahren zugenommen. Auch das Zusammenwirken der Traumdoktoren mit dem Spitalpersonal und der Umgang mit den Gegebenheiten im Spital hat sich inzwischen auf sehr hohem Niveau eingespielt. Das wird vor allem auch in der derzeitigen Corona-Pandemie sehr sichtbar.

Mit welchen drei Worten würden Sie die Stiftung Theodora beschreiben?

Eine segensreiche Institution.

Gibt es etwas, das Sie der Stiftung Theodora für die Zukunft wünschen?

Ich wünsche der Stiftung Theodora weiterhin diese grosse Akzeptanz und Anerkennung, die sie heute geniesst, damit sie ihre wertvolle Arbeit in der heutigen Form weiterentwickeln und fortführen kann, und die notwendigen Mittel dafür auch weiterhin erhält.

Wir danken Dr. Rudin ganz herzlich für das Interview und seine langjährige Unterstützung!